Die Kunststoffproduktion in Deutschland und weltweit

Wie schaut es heute eigentlich mit der Kunststoffproduktion auf der Welt und in Deutschland aus? Die verschiedenen Kunststoffe, allen voran die Thermoplaste und Elastomere, sind nun mal die wichtigste Grundlage für unser Geschäft des Kunststoff-Spritzgießens. Doch mit den Begriffen Thermoplaste, Elastomere und Duroplaste ist die Komplexität der Kunststoffproduktion nur unzureichend beschrieben. In den letzten 10 Jahren bis 2022 hat sich die Vielfalt bei der Entwicklung von Kunststoffen noch einmal drastisch erhöht. Das liegt sicher neben den Möglichkeiten im Spritzguss auch am wachsenden Markt des 3D Drucks. Hier werden inzwischen praktisch alle Gegenstände des täglichen Bedarfs, aber vor allem Spezialartikel für den medizinischen und technischen Bedarf gedruckt. Selbst der Druck mit flüssigen Metallen ist inzwischen möglich, aber auch hier werden die Kunststoffe als Bindemittel oder Grundlage benötigt.

Langsam sinkende Zuwachsraten

Weltweit hat die Kunststoffproduktion und Verwertung seit den ersten Anfängen in den Chemie-Unternehmen regelmäßig zugenommen, im Schnitt um 8% im Jahr. Mit der Zunahme der Möglichkeiten im Recycling ist das Wachstum inzwischen allerdings auf jährlich 3-4% geschrumpft. Das Recycling von Kunststoffen ist allerdings nach wie vor fast nur mit sortenreinen Kunststoffen möglich. Hier hat das Wiederverwertungssystem der Pfandflaschen in Deutschland viele Weichen gestellt. Viele Millionen Plastikflaschen werden von den Supermärkten zurückgenommen, sortiert, eingeschmolzen und dann im Spritzguss wieder als neue Flaschen in der Produktion erzeugt. Der größte Vorteil beim Recycling von Kunststoffen in Deutschland besteht sicher in den kleinen Verlustmengen. Die Wiederverwertbarkeit bei Kunststoffen erreicht einen sehr hohen Prozentsatz. Dadurch müssen in Deutschland und in Europa weniger Kunststoffe erzeugt werden.

Kunststoffe als Segen und als Risiko

Die Verteilung und Rangreihe der Länder, in denen in Europa und der Welt Kunststoffe produziert werden, haben sich ebenfalls stark verändert. In Asien und hier vor allem in China findet mit mehr als 50% der größte Teil der Kunststoffproduktion statt. Jedes Jahr werden von den Unternehmen auf der Welt unglaubliche 365 Millionen Tonnen Kunststoff hergestellt. Leider verschmutzen die Kunststoffe inzwischen vor allem als Abfall aus den Verpackungsstoffen die Weltmeere und bedrohen als Mikroplastik Tiere und Menschen. Etwa 285 Millionen Tonnen dieser Gesamtmenge wird für die Herstellung von Produkten aus Kunststoff verwendet. Davon geht der größte Teil in die Verpackungsmaterialien. Danach sind es Reifen und andere Bestandteile der Produktion für Verkehr und Industrie. Der Rest wird für die Herstellung von Lacken, Klebern, Beschichtungen und ähnlichem benötigt.

Die Lage in Deutschland

Deutschland liegt als eine der führenden Industrienationen auf der Welt sowohl in der Kunststoffproduktion wie auch als Verbraucher von Kunststoffprodukten weit vorne in der Liste der Staaten. Um die 450.000 Beschäftigte produzieren und verarbeiten knapp 25 Millionen Tonnen Kunststoff und erwirtschaften damit jedes Jahr über 100 Milliarden Euro. Gleichzeitig wächst hier allerdings auch der Markt für die Wiederverwertung. In dieser Industrieform stehen die Deutschen an der Spitze der weltweiten Entwicklung. Hauptproblem bleibt, wie gesagt, die benötigte Sortenreinheit. Der Trend und die immer weiter steigenden Ansprüche in der Automobilindustrie wie in der Spielzeugproduktion weisen eindeutig in die Richtung der Verbindung von Kunststoffen einerseits zu Mischstoffen mit verschiedenen Fähigkeiten, andererseits zur Herstellung von Produkten, in denen vier, fünf oder sechs verschiedenartige Kunststoffe form- oder stoffschlüssig verbunden werden.

Wachsende Ansprüche, Möglichkeiten und Probleme

Diese Entwicklung drückt sich sowohl in der Kunststoffproduktion wie auch im Kunststoffspritzguss in Deutschland aus. Natürlich ist es für den Verbraucher angenehm, wenn er eine Zahnbürste oder einen Fußball in der Hand hält, in denen ganz verschiedene Kunststoffe ihre Eigenschaften verbinden. Weich und hart, elastisch und doch unnachgiebig, schlagzäh und nicht zu beeinflussen durch UV-Strahlen oder Chemikalien, das sind alles Ansprüche, die der Verbraucher in Deutschland inzwischen selbstverständlich hegt. Dann ist es natürlich sehr angenehm, wenn man z.B. beim Kopf der Gangschaltung im Auto sowohl nachgiebige wie steife Anteile findet, die nicht etwa nachträglich zusammengefügt sind, sondern gleich so gespritzt wurden. Das gleiche gilt für das Kinderspielzeug, wenn der berühmte Stachel-Igel inzwischen weiche Stacheln besitzt, die untrennbar mit dem festen Körper verbunden sind. Doch für das Recycling stellen solche Konstrukte derzeit noch unlösbare Probleme dar. Dabei arbeitet die Forschung in der Chemie und der Industrie fieberhaft daran, wie man ein wirtschaftlich nutzbares System entwickeln kann, das solche Mischformen erkennt, in seine Bestandteile zerlegt und dann der Wiederverwertung zuführen kann.