Was ist eigentlich Kunststoff genau?

Nachdem wir in unseren Newsbeiträgen in der letzten Zeit über Neuerungen und Messen berichtet haben, halten wir es jetzt einmal wieder angebracht, zu unseren Ursprüngen zurückzukehren. Schließlich lebt der Kunststoff-Spritzguss von einem Stoff ganz besonders. Natürlich, ohne Kunststoff könnten wir nicht arbeiten und nichts produzieren. Ohne Kunststoff und ohne Spritzguss könnte unsere Welt heute überhaupt nicht mehr existieren. Es stimmt, die Kunststoffe stellen auch ein großes Problem für die Umwelt und die Meere dar, aber es reicht nicht, sich nur auf die problematischen Aspekte eines Themas oder eines Stoffes zu konzentrieren. Kein modernes Leben kann ohne Kunststoff stattfinden. Ohne Produkte wie aus unserem Kunststoff-Spitzguss Betrieb in Untersteppach bei Edling gäbe es keine Autos, Gebäude, ja keine Energieversorgung und keine Nahrungsmittelproduktion.

Kunststoff – das ist schwierig

Umso erstaunlicher ist es, wie wenig die Verbraucher über den Kunststoff wissen. Es scheint, dass entweder in den Schulen nicht genug auf dieses Thema eingegangen wird oder dass die Jugend sich überhaupt nicht mehr für solche Themen interessiert. Aber machen Sie selbst die Probe aufs Exempel und fragen Sie in Ihrer Umgebung nach. Stellen Sie einfach die Frage: Was ist eigentlich Kunststoff genau? In vielen Fällen werden die Befragten keine Antwort finden, die auch nur annähernd ausreicht. Die beiden schönsten Antworten aus jüngster Zeit wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Befragt, was denn Kunststoff für den Spritzguss eigentlich genau sei, antwortete ein Jugendlicher „Na ja, halt so ein künstlich hergestellter Stoff“. Gut, so kann man das natürlich sagen. Noch leichter machte es sich allerdings sein Freund. Der antwortete „Na ja, das ist doch so Plastik, oder?“

Wie kam es eigentlich zu einem Kunststoff?

Daher wollen wir in unseren News-Beiträgen jetzt einmal versuchen, dieses anscheinend schwierige Thema verständlich darzustellen. Zur Ehrenrettung der beiden jungen Leute sei gesagt, dass sie beide Recht haben. Kunststoff ist nicht natürlich gewachsen oder entstanden, sondern wird künstlich hergestellt. Zum Zweiten ist auch die Antwort „Plastik“ entscheidend. Denn als vor rund 400 Jahren in Europa zum ersten Mal ein Stoff auftauchte, der zusammendrücken ließ und dann wieder in seine alte Form zurückkehrte, waren die Menschen völlig verblüfft. Es gab sogar eine Art Ball, der wieder hoch sprang, wenn man ihn auf den Boden warf. Solche elastischen Eigenschaften hatte es bis dahin nicht gegeben, das war eine Sensation. Aber dieser Stoff hatte noch weitere erstaunliche Fähigkeiten. Er ließ sich nämlich unter Hitzeeinwirkung verformen und behielt nach dem Auskühlen diese Form dann bei. Man kannte das bisher nur von Ton oder in begrenzter Weise von Metallen, die man gießen konnte. Aus Ton und Metallen konnte man zum Beispiel Plastiken herstellen. Der neue Stoff war also auch plastisch.

Gummi – seit über 3500 Jahren

Die Rede ist vom Kautschuk. Die Mayas kannten diesen Stoff schon lange, sie spielten Ball damit und fertigten sogar wasserdichte Regenkleidung daraus. Dieser Naturkautschuk besteht aus dem Milchsaft des Kautschukbaums aus Südamerika. Kautschuk bedeutet Tränen des Baums in einer alten Indiosprache. Ein weiteres Wort dafür ist auch sehr bekannt geworden. Es leitet sich aus dem spanischen Wort für Milch ab und man kennt es auch heute sehr gut: Das Latex ist ein sehr gebräuchlicher Name für einen Kunststoff, aus dem zum Beispiel Einmalhandschuhe gemacht werden, die sehr dünn, elastisch und gleichzeitig stabil sind. Als Gummi Elasticum wurde dieses Material in Europa sehr schnell berühmt. Schon um 1760 entstand der erste Radiergummi, bald darauf kamen Gummistiefel und Regenmäntel aus Kautschuk in Mode. Die Wasserbeständigkeit des Materials war mindestens so faszinierend wie seine Elastizität. Ein schwunghafter Handel entstand. In Südamerika wurden riesenhafte Plantagen angelegt, die zu jener Zeit häufig von Sklaven bewirtschaftet wurden. Der Kautschuk oder das Gummi hatte seinen Siegeszug begonnen, ein Siegeszug, der bis heute ununterbrochen anhält.

Das müssen wir auch schaffen

Schon bald hatten sich die frühen Chemiker mit diesem Stoff beschäftigt. Was gab ihm seine fantastischen Fähigkeiten, wie konnte es sein, dass er sich elastisch verhielt? Das war umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass der Latex, wenn er aus dem Baum rinnt, sogar genießbar ist, gut schmeckt und ein wenig an Sahne erinnert. Die chemische Formel dieses Stoffes wurde bereits 1826 entdeckt, aber erst um 1920 fand ein Deutscher den eigentlichen Charakter des Kautschuks heraus. Der Nobelpreisträger Hermann Staudinger kann somit als einer der Urväter des heutigen Kunststoffs gelten, der mit seinen Entdeckungen die moderne Welt mit erschaffen hat. Als nämlich die beiden Weltkriege den Handel mit Naturkautschuk in Europa und auch in den USA zum Erliegen brachte, musste dringend Abhilfe geschaffen werden. Längst hatte das Gummi kriegsentscheidende Wichtigkeit erlangt. Es begann ein weltweiter Wettlauf um die erste erfolgreiche künstliche Produktion eines Materials mit ähnlichen Eigenschaften.
In unserem nächsten News-Beitrag erfahren Sie Näheres um die Zusammensetzung und die Eigenschaften der heutigen Kunststoffe.

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