Der Kunststoff – von der Erfindung bis heute

Es ist schon eine interessante Geschichte, wie das wichtigste Rohmaterial der Welt gefunden wurde. Ja, man muss schon sagen „gefunden“, denn die Eigenschaften, die wir am Kunststoff zu Beginn so schätzten, haben sich im Lauf der Millionen Jahre in der Natur selbst entwickelt. Im Naturkautschuk fanden sich Fähigkeiten, die zuerst die Maya und Inkas, dann aber auch die gesamte westliche Welt begeisterten – und die in den folgenden Jahrhunderten immer wichtiger für die technische Entwicklung wurden. Als dann durch die weltweiten Kriege die Herstellung und der Handel von Kautschuk zum Erliegen kam, begann der Wettlauf der Chemiker. Wer würde es als erster schaffen, ein künstliches Gummi Arabicum herzustellen, das in großen Mengen produziert werden könnte?

Erste Experimente führen schon im 19. Jahrhundert zum Erfolg

Die Geschichte der Kunststoffe hatte damit begonnen, dass die Eigenschaften der Elastizität, der Unempfindlichkeit gegen Wasser und der guten Beständigkeit gegen viele Säuren die Erfinder anregten, weitere Experimente durchzuführen. Herr Goodyear erfand die Umwandlung von Kautschuk in Gummi in den USA schon im Jahr 1839. Mit dieser neuen Vulkanisation produzierte er zunächst Gummihandschuhe, bis er die Möglichkeit entdeckte, daraus Reifen herzustellen. Noch heute ist Goodyear einer der größten Reifenhersteller der Welt. Über die nächsten 30 Jahre in der Geschichte folgten die Entdeckung des Zelluloids (Filme, Tischtennisbälle), des Rayons (Viskose als Kunstseide) und des Schellacks. Der Urvater des Spritzgusses war John Hyatt, der im Jahr 1872 die erste Spritzgussmaschine für Zelluloid entwickelte. Allerdings sah sich Herr Hyatt noch heftigen Problemen gegenüber, bevor seine Erfindung bzw. Entdeckung wirklich erfolgreich wurde. Das Zelluloid zeigt sich zunächst recht instabil und fing immer wieder Feuer.

Die Wissenschaft entdeckt die Grundlagen erst später

All diese Erfindungen in der Geschichte des Kunststoffs geschahen mehr oder weniger experimentell. Die ersten “Kunststoffe” bestanden tatsächlich auch aus natürlichen Materialien. Die zugrunde liegenden chemischen Prinzipien für die Entwicklung von Kunststoffen wurden erst nach und nach entdeckt. Im Jahr 1907 wurde das erste tatsächlich rein synthetisch erzeugte Plastik erfunden, entwickelt und hergestellt. Ein Herr Baekeland hatte die Zusammenhänge bei der Phenol-Formaldehyd-Reaktion entdeckt und stellte das Bakelit vor. Das Bakelit trat als hitzebeständiges Material zum Isolieren für elektrischen Strom einen ungeheuren Siegeszug an und wurde an Strommasten und bei den Sicherungen noch weitere 50 Jahre eingesetzt.

Im späten 19. Jahrhundert war in der Chemie das Prinzip der Polymerisation der natürlichen Stoffe soweit verstanden worden, dass es sich künstlich reproduzieren ließ. Jedoch erst in der Zeit nach 1910 entdeckte Hermann Staudinger in Deutschland die wahren Zusammenhänge der hochmolekularen Verbindungen aus langen Molekülen. Damit war in der Chemie die wissenschaftliche Grundlage entstanden, die man prinzipiell auf die Herstellung anderen Verbindungen übertragen konnte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden mit der Zeit immer mehr unterschiedliche Kunststoffe erfunden. Die vernichtende Niederlage Deutschlands im zweiten Weltkrieg sorgte dafür, dass ein großer Teil der weltweiten Produktion sich dann zunächst in den USA abspielte, bis Unternehmen wie die BASF und andere in die Entwicklung und Produktion einsteigen konnten.

PVC, Polyethylen und das moderne Recycling

Nach seiner Entdeckung wurde 1912 das PVC patentiert, aber erst ein paar Jahre später von der Firma Coroplast verarbeitet, hergestellt und für viele Zwecke verwendet. PVC ist auch unter dem Namen Vinyl bekannt. Das ist der Stoff, der mit den Jahren den alten Schellack für die Produktion von Milliarden Schallplatten ablöste. Diese Art frühes Plastik fand jedoch ebenfalls Verwendung zur Isolierung, bei Bodenbelägen und ähnlichem. Da es aus billigem Chlor als Abfallprodukt der Chemie produziert werden konnte, erwies es sich als äußerst gewinnbringend, selbst nachdem man seine gesundheitsschädlichen Auswirkungen erkannt hatte. Heute ist das PVC so weiterentwickelt worden, dass es unbedenklich verwendet werden kann.

In den dreißiger Jahren gelang dann ein weiterer Durchbruch. Das Polyethylen und 20 Jahre später das Polypropylen revolutionierten den Markt für billige Flaschen, vor allem aber für Verpackungen. Diese Art Plastik war günstig und relativ einfach herzustellen. Bald vervielfachte sich die Produktion in Tonnen. Das Plastik war überall und immer neue Einsatzmöglichkeiten wurden gefunden. So sind es auch das Polyethylen und das Polypropylen, die heute als Verpackungsmüll die Weltmeere in Mitleidenschaft ziehen. Dabei sind es auch diese beiden Kunststoffe, die sich fast ohne Qualitätsverlust recyceln lassen. Sofern sie ohne Vermischung mit anderen Kunststoffen gesammelt werden können, muss kein neues Plastik hergestellt werden. Leider hat sich bisher das hervorragende System der Wiederverwertung über Pfandautomaten fast nur im hochtechnisierten Deutschland durchgesetzt.

Kunststoff und Spritzguss stellen eine geniale Verbindung dar


Aber nochmal zurück im Text. Als wichtigstes Rohmaterial der Welt hatten wir die Kunststoffe bezeichnet. Stimmt denn das überhaupt? Wie steht es mit dem Holz, mit Stein und Zement, mit allen Metallen? Wir bei der Stocker Kunststoff GmbH sollten es ja eigentlich wissen. Schließlich produzieren wir schon über 60 Jahre erfolgreich Kunststoffteile aller Art. Seit Beginn der Massenproduktion von Kunststoff sind weltweit knapp neun Milliarden Tonnen Kunststoff produziert worden. Unsere Kunden kommen aus allen Bereichen der Industrie und der Fertigung. Viele Tonnen Kunststoffe verlassen als Bauteile jedes Jahr unsere Spritzgießerei in Untersteppach bei Edling. Und wir sind nur einer von vielen Betrieben dieser Art in Deutschland und der Welt. Ja, wir können es Ihnen bestätigen, ohne Kunststoffe käme unsere weltweite Zivilisation ganz schnell zum Erliegen. Kunststoffe finden sich in jedem Lebensbereich.

  • Verpackung, Dämmung, Dichtung
  • Isolierung, Kabel, Leitungen, Rohre
  • Bodenbeläge, Behälter, Trinkflaschen
  • Fenster- und Türenbau, Mobiliar
  • Reifen, Armaturen, Tanks, Schalter
  • Bekleidung, Tücher, Decken
  • Seifen, Harze, Lacke, Kleber
  • Geschirr, Spielzeug

Bei aller Kritik, die man am gedankenlosen Umgang mit Kunststoff üben kann und muss, sind wir dennoch als Unternehmen stolz darauf, unsere Rolle bei der Herstellung von präzise und preiswert produzierten Kunststoff-Elementen zu spielen.