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Die Extrusion von Kunststoff

Kunststoffextrusion ist ein kontinuierliches Herstellungsverfahren, bei dem geschmolzener Kunststoff unter hohem Druck durch eine formgebende Öffnung (Matrize) gepresst wird. Das Verfahren ermöglicht die wirtschaftliche Produktion von Endlosprofilen, Rohren, Folien und vielen weiteren Kunststoffteilen. 

Anders als beim Spritzguss, bei dem einzelne Bauteile nacheinander geformt werden, handelt es sich bei der Extrusion um einen durchgängigen Prozess mit gleichbleibendem Materialfluss. Mit einer weltweiten Marktgröße von über 12 Milliarden USD (2025) und einem erwarteten jährlichen Wachstum von 4,5% ist die Kunststoffextrusion eine der wichtigsten Fertigungstechnologien der modernen Industrie.

Was ist Extrusion?

Extrudieren von Kunststoff ist ein kontinuierliches Verfahren, bei dem Kunststoffgranulat in einem Extruder aufgeschmolzen, homogenisiert und unter Druck durch eine Matrize gepresst wird. Das Ergebnis sind Endlosprodukte mit konstantem Querschnitt – Rohre, Profile, Folien, Schläuche.

Erstmals kommerziell 1930 eingesetzt, ist Extrusion heute eine Schlüsseltechnologie für Verpackung (Folien), Bauwesen (Profile) und Automobil (Dichtungen). Hauptunterschied zu Spritzguss: kontinuierlich vs. diskret.

Typische Extrusionsarten:

  • Direktextrusion (Schneckenextruder) – 95% Markt
  • Ram-Extrusion (Kolben) – Hochleistungskunststoffe
  • Coextrusion (mehrschichtig) – Verpackung, Profile

Erfahren Sie mehr über Spritzgießen und Kunststoffmaterialien.

Die Extrusion von Kunststoff

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Eigenschaften der Kunststoffextrusion

Extrusion zeichnet sich durch hohe Wirtschaftlichkeit bei großen Mengen aus. Werkzeugkosten sind um 50% niedriger als Spritzguss, Materialverlust minimal (~1%). Nachteil: begrenzte 3D-Formgebung (nur konstante Querschnitte).

Physikalische & mechanische Eigenschaften

  • Dichte: 0,9-1,4 g/cm³ (je Material) – sinkt/fließt je nach Dichte
  • Produktionsgeschwindigkeit: 5-500 m/min – 10x schneller als Spritzguss.
  • Temperaturbereich: 150-350 °C (Schmelze); Kühlung 10-30 °C.
  • Toleranzen: ±0,1-0,5 mm (Breite) – weniger präzise als Spritzguss, aber ausreichend für Profile/Rohre.

Chemische & Sicherheitseigenschaften

  • Chemikalienbeständigkeit: Materialabhängig (PP/PE sehr gut; PS schwach). 
  • Lebensmittelkontakt: PP, PE, PET FDA-zugelassen; PS eingeschränkt.
  • Giftigkeit bei Verbrennung: CO, Styrol-Dämpfe (je Material); gute Belüftung erforderlich.

Extrusion vs. Spritzguss Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt die zentralen Unterschiede:

EigenschaftExtrusionSpritzguss
ProduktionsartKontinuierlich (Endlos)Zyklisch (Einzelteile)
Produktformen2D-Querschnitt konstant3D-Formen komplex
Typische ProdukteRohre, Profile, FolienGehäuse, Baugruppen
Werkzeugkosten€8.000-25.000€20.000-150.000+
ZykluszeitKontinuierlich (m/min)15-90 Sekunden
Stückzahlen>100.000 unbegrenzt50-1.000.000 sinnvoll
Materialverlust~1%5-15%
Toleranzen±0,1-0,5 mm±0,05-0,1 mm

Fazit: Extrusion für die Massenproduktion gleichförmiger Profile; Spritzguss für komplexe 3D-Teile.


Materialien für die Extrusion im Überblick

  • Polypropylen: Chemikalienfest und steif – ideal für Profile, Rohre und technische Bauteile. Bietet exzellente Wärmeformbeständigkeit (bis 100 °C) und geringe Dichte. Häufig mit Glasfaser verstärkt für höhere Steifigkeit in der Automobilindustrie.
  • PVC: Der Profile-König für Fensterrahmen und Kabelkanäle. Hohe Steifigkeit bei niedrigen Kosten, mit Weichmachern anpassbar. Europas größter Extrusionsmarktanteil (Fensterprofile >1 Mio. Tonnen/Jahr).
  • PET: Transparent und barrieresicher für Verpackungsfolien. Coextrusion mit EVOH schützt vor Sauerstoff – verlängert Haltbarkeit von Lebensmitteln um Wochen.

Spezialmaterialien:

  • LSR (Silikon): Temperaturfest (bis 200 °C) und biokompatibel – Standard für Medizin-Tubing und Lebensmittelkontakt. Cleanroom-Extrusion erforderlich, nicht recyclebar.
  • PA (Polyamid): Verschleißfest für Technikprofile und Gleitführungen. Gute mechanische Eigenschaften, aber feuchtigkeitsempfindlich – Trocknung vor Extrusion nötig.

Die sogenannte Coextrusion kombiniert Materialien (z.B. PET + EVOH-Barriere).

Materialien für die Extrusion

Anwendungen der Extrusion nach Branche

Verpackung & Folien

Bauwesen & Profile

Automotive & Technik

Medizin & Lebensmittel


Verarbeitung von Polystyrol - Spritzguss und weitere Verfahren

Schneckenextruder-Zonen

Die Schneckenextruder-Zonen sind die drei Hauptabschnitte des Extruders:

In der Einzugszone (40-100 °C) wird das Granulat zugeführt und vorgewärmt, ohne zu schmelzen. In der Schmelzzone (150-250 °C) schmilzt das Granulat durch Reibung und Heizung zu einer homogenen Schmelze. In der Druckzone (200-300 °C) wird die Schmelze verdichtet und Druck für Matrize aufgebaut.

ZoneFunktionTemperatur
EinzugszoneGranulat-Zuführung40-100 °C
SchmelzzoneAufschmelzen150-250 °C
DruckzoneDruckaufbau200-300 °C

Kritische Parameter:

  • Matrizendruck: 50-200 MPa
  • Kühlung: 10-30 °C Wasser
  • Abzugsgeschwindigkeit: 5-500 m/min

Nachhaltigkeit und Recycling

Extrusion gilt als ressourcenschonend:

  • Materialverlust: ~1% (vs. 5-15% Spritzguss)
  • Rezyklat-Integration: Bis 100% möglich
  • Energieeffizienz: Kontinuierlicher Betrieb

Trends in der Entwicklung ab 2025:

  • Bio-PE, Bio-PP
  • Sandwich-Coextrusion (Rezyklat innen)
  • Industrie 4.0 Sensorik
Bedeutung des Recyclings

Häufig gestellte Fragen zu Extrusion (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Extrusion und Spritzguss?

Welche Materialien eignen sich für Extrusion?

Was ist Coextrusion?

Wie wird gekühlt und kalibriert?

Ist Extrusion nachhaltig?

Toleranzen bei Extrusion?

Entwicklungszeit neues Profil?