Was ist die Extrusion von Kunststoff?

Die Kunststoffextrusion ist ein kontinuierliches Herstellungsverfahren. Es kann also unterbrechungsfrei zur Produktion von Endlosprofilen, Rohren, Folien und vielen weiteren Kunststoffteilen eingesetzt werden. Dabei wird geschmolzener Kunststoff unter hohem Druck durch eine formgebende Öffnung, die sogenannte Matrize, gepresst und anschließend abgekühlt, bis er seine endgültige Form erhält. Anders als beim Spritzguss, bei dem einzelne Kunststoff-Bauteile nacheinander geformt werden, handelt es sich bei der Extrusion also um einen durchgängigen Prozess mit gleichbleibendem Materialfluss.
Die beiden Verfahren Extrusion Kunststoff und Spritzguss Kunststoff gehören zur Gruppe der urformenden Fertigungsverfahren nach DIN 8580. Während der Spritzguss auf das Füllen und Aushärten einer geschlossenen Form ausgelegt ist, erlaubt die Extrusion eine theoretisch unbegrenzte Produktion von langen Formen bei konstantem Querschnitt, ideal für Produkte wie Rohre, Profile oder Schläuche.
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So funktioniert das Extrudieren von Kunststoff
Im Mittelpunkt der Extrusion steht der sogenannte Extruder. Das ist meistens ein Schneckenextruder, in dem Kunststoffgranulat zunächst über einen Einfülltrichter zugeführt wird. Durch Heizelemente und die rotierende Bewegung der Förderschnecke wird der Kunststoff aufgeschmolzen und homogenisiert. Die so entstandene zähflüssige Schmelze wird anschließend unter hohem Druck durch eine speziell geformte Matrize gepresst, die dem Material den gewünschten Querschnitt verleiht. Das kann rund, eckig, hohl oder mit funktionalen Profilierungen sein.
Nach dem Austritt aus der Matrize ist das Material noch formbar. Um die Geometrie zu stabilisieren, wird es entweder durch ein Wasserbad gekühlt oder durch präzise Kalibriereinrichtungen in Form gehalten.
Bei komplexen oder hohlen Profilen, z.B. bei Fensterrahmen oder Rohren, kommen Kalibriertische mit Vakuumtechnik zum Einsatz. Diese Technik verhindert ein Verformen oder Kollabieren der Struktur. Das extrudierte Produkt wird im Anschluss auf die gewünschte Länge geschnitten, gesammelt und bereit gemacht für Verpackung oder Weiterverarbeitung. Alle Schritte vom Aufschmelzen über die Formgebung bis zum Zuschnitt sind entlang einer sogenannten Extrusionslinie organisiert.
Diese durchgängige Anordnung ermöglicht eine hohe Qualität und Fertigungseffizienz bei gleichzeitig geringer Ausschussquote.
Welche Materialien eignen sich für die Extrusion?
Hauptsächlich werden in der Kunststoffextrusion thermoplastische Kunststoffe verarbeitet. Thermoplaste sind Kunststoffe, die sich bei Hitze verformen und beim Abkühlen wieder verfestigen. Zu den häufig eingesetzten Kunststoffen zählen unter anderem:
- Polyethylen (PE) für Schläuche, Folien und Kabelummantelungen
- Polypropylen (PP) für Profile, Verpackungen und technische Bauteile
- Polyvinylchlorid (PVC) für Rohre, Fensterprofile und Kabelkanäle
- Polyamid (PA) für mechanisch beanspruchte Profile
- Polyethylenterephthalat (PET) für Folien und Flaschen
- Polymethylmethacrylat (PMMA) für optisch transparente Profile
Neben diesen klassischen Thermoplasten kommen zunehmend auch spezielle Compounds und Rezyklate zum Einsatz. In sogenannten Aufbereitungs-Extrudern kann das Material während des Durchlaufs zusätzlich modifiziert, entgast oder mit Additiven versetzt werden. Auch mehrschichtige Strukturen lassen sich realisieren. Zum Beispiel werden im sogenannten Coextrusionsverfahren mehrere Schmelzen kombiniert durch die Matrize gepresst.


Besonderheiten des Schneckenextruders
Der Schneckenextruder ist die am weitesten verbreitete Bauform. Er besteht aus einem beheizbaren Zylinder, in dem eine Schnecke rotiert. Diese Schnecke erfüllt mehrere Funktionen zugleich: Sie transportiert das Granulat, erhitzt es durch Reibung und Druck und homogenisiert die Schmelze. Dabei durchläuft der Kunststoff in Granulat-Form drei Funktionszonen:
- Einzugszone der Schnecke: Hier wird das Granulat zugeführt und vorgewärmt.
- Plastifizier-Zone: Das Material schmilzt unter Einfluss von Temperatur und Reibung.
- Druckzone: Die Schmelze wird verdichtet und in der Schnecke in Richtung Matrize befördert.
Moderne Extruder erlauben die zusätzliche Beschickung während des Prozesses von der Seite: Dabei können Farbstoffe, Weichmacher oder Füllstoffe punktgenau eingebracht werden. Je nach Anforderungen kommen auch Doppel- oder Knet-Extruder zum Einsatz, insbesondere bei hochviskosen Materialien oder für die Herstellung von Compounds.
Typische Anwendungen der Kunststoffextrusion
Wie schon die Aufzählung der Materialien für das Extrudieren zeigt, ist die Bandbreite extrudierter Kunststoff-Produkte groß. Besonders häufig werden Rohre und Schläuche hergestellt, etwa für Wasserleitungen, Kabelschutz oder Druckluftsysteme. Ebenso gehören Kabelummantelungen und Dichtprofile zu den klassischen Produkten der Extrusion.
Auch Fenster- und Türrahmen aus PVC entstehen im Extrusionsverfahren, dank Kalibrierung und Vakuumtechnik mit hoher Formgenauigkeit und Maßhaltigkeit. In der Verpackungsindustrie spielen extrudierte Folien eine zentrale Rolle und zwar sowohl einlagig oder mehrschichtig, durchsichtig oder bedruckbar. Hier ermöglicht Coextrusion die Kombination verschiedener funktioneller Eigenschaften in einem Produkt.
Darüber hinaus werden auch Zier- und Schutzleisten, Laufflächen für Förderanlagen, technische Profile, Kabelkanäle und Baukomponenten aus Kunststoff durch Extrusion gefertigt. Selbst in der Lebensmittel- oder Baustoffindustrie findet sich das Prinzip wieder. Es wird in abgewandelter Form bei der Herstellung von Nudeln, Kautschuk-Produkten oder stranggepressten Tonziegeln verwendet. Ein weiteres Beispiel für das Prinzip der Coextrusion kennt man von zweifarbiger Zahnpasta.
Vorteile der Extrusion gegenüber anderen Kunststoffverfahren
Die Extrusion punktet besonders durch ihren kontinuierlichen, automatisierbaren Ablauf. Der Spritzguss arbeitet zyklisch und ist damit auf Einzelbauteile begrenzt. Dagegen ermöglicht die Extrusion eine gleichmäßige Produktion großer Mengen bei minimalem Ausschuss. Der Materialverlust ist gering, da keine Angüsse oder Trennnähte entstehen, ein wichtiger Vorteil auch in puncto Ressourceneffizienz.
Die Extrusion lässt sich flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen: von einfachen Standardprofilen bis zu hochspezialisierten mehrschichtigen Produkten. Durch gezielte Dosierung von Additiven oder die Verwendung von Rezyklaten können die Materialeigenschaften direkt im Prozess beeinflusst werden. Das Thermoformen ist eher auf dünnwandige Hohlkörper begrenzt, während das Blasformen auf Flaschen und Tanks spezialisiert. Dagegen bietet die Extrusion deutlich mehr Gestaltungsfreiheit in Bezug auf Querschnitt und Länge.
Moderne Extrusionsanlagen sind mit Sensorik, Dosiertechnik und digitaler Prozesskontrolle ausgestattet, was eine gleichbleibende Qualität bei hoher Energie- und Prozesseffizienz ermöglicht. Viele Unternehmen aus dem Kunststoffbereich setzen heute auf Skalierbarkeit, Präzision und Nachhaltigkeit. Sie nutzen Extrusion als eine zukunftssichere Technologie.
Fazit: Wann sich die Kunststoffextrusion besonders lohnt
Die Extrusion ist immer dann das bevorzugte Verfahren, wenn es um die wirtschaftliche Herstellung gleichförmiger Kunststoffprodukte mit definiertem Querschnitt geht. Ihre Stärken liegen in der relativ hohen Prozessgeschwindigkeit, dem kontinuierlichen Ablauf und der flexiblen Anpassbarkeit an verschiedene Materialien und Anwendungszwecke. Dank moderner Technik, der Möglichkeit zur Co-Extrusion und dem Einsatz von Rezyklaten erfüllt sie auch ökologische und wirtschaftliche Anforderungen der Gegenwart.
Rohre, Profile, Verpackungen oder technische Komponenten, alles geht! Die Kunststoffextrusion hat sich als ein vielseitiges, robustes und ressourcenschonendes Verfahren bewährt, das seinen festen Platz in der industriellen Fertigung behauptet. Das Extrudieren von Kunststoff bietet wirtschaftliche Effizienz, nachhaltige Maßhaltigkeit und hohe Produktionssicherheit.
Häufig gestellte Fragen zur Kunststoffextrusion
Was ist der Unterschied zwischen Extrusion und Spritzguss?
Beim Spritzguss wird der Kunststoff in eine geschlossene Form eingespritzt und mit dem Auswerfen aus der Form zu Einzelteilen geformt. Die Extrusion hingegen ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem das Material durch eine Matrize gepresst und zu endlosen Profilen verarbeitet wird.
Welche Kunststoffe lassen sich extrudieren?
Vor allem thermoplastische Kunststoffe wie PE, PP, PVC, PA, PET oder PMMA eignen sich gut für die Extrusion. Auch Rezyklate und gefüllte Compounds können verarbeitet werden.
Was versteht man unter Koextrusion?
Bei der Coextrusion werden zwei oder mehr Kunststoffe gleichzeitig extrudiert und zu einem mehrschichtigen Produkt verbunden. Das ermöglicht z.B. harte Außen- und weiche Innenschichten in einem Profil.
Wie wird das extrudierte Produkt stabilisiert?
Nach dem Austritt aus der Matrize erfolgt die Stabilisierung durch Kalibrierung und Kühlung. Das geschieht entweder über Wasserbäder oder Vakuumkalibrierung bei komplexen Profilen.
Ist Extrusion ein nachhaltiges Verfahren?
Durch den geringen Materialverlust, die hohe Energieeffizienz und die Möglichkeit, Rezyklate einzusetzen, ist die Extrusion auch aus ökologischer Sicht ein vorteilhaftes Verfahren. Das hängt natürlich auch davon ab, ob und wie die zu entsorgenden Altteile aus Kunststoff sortenrein gesammelt und ggf. recycelt werden können.